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Freitag, 15. Mai 2015

Gesprächsstörfaktoren in der Krisenintervention

Gesprächsstörfaktoren, die in krisenhaften Situationen auf jeden Fall zu vermeiden sind :
 
  1. Vorwürfe aller Art (diese entlasten bestenfalls den Helfer)
  2. furchterzeugende Diagnosen und Vermutungen ("So wie der ausschaut, kann er das gar nicht überle-ben...")
  3. Hektik (Gestik, Mimik, Tonfall, Sprechgeschwindigkeit)
  4. Verharmlosung: "So schlimm ist es ja gar nicht!" 
  5. Verallgemeinerungen: "Sie jammern ja ständig!" 
  6. Moralisieren: "Reiß’ dich doch zusammen!" 
  7. Besserwisser: "Ich hab’s Ihnen doch gleich gesagt!" 
  8. Allgemeinplätze: "Jeder hat so seine Probleme!" 
  9. Gedankenlesen: "Ich weiß schon, was Sie jetzt denken!" 
  10. Abwerten: "Sie scheinen das ja nie zu kapieren!" 
  11. Nicht-zu-Wort-kommen-lassen "… das ist mir auch schon einmal passiert!"


Hilfreich sind hingegen folgenden Verhaltensweisen:
 
  1. Ruhiges und sicheres Auftreten hilft gegen Angst. 
  2. Verlangsamung hilft gegen Übererregung oder Raserei 
  3. Struktur hilft gegen Chaos (Behandlungskonzepte hilfreich!) 
  4. Rationales Denken hilft gegen überschwemmende Gefühle 
  5. Emotionale Entlastung hilft gegen Frustration und Anspannung 
  6. Information hilft gegen Kontrollverlust 
  7. Akzeptanz und soziale Unterstützung helfen gegen Entfremdung und Rückzug 
  8. Handeln hilft gegen Hilflosigkeit

Samstag, 13. Juli 2013

Insolvenz: Manager müssen sich neu definieren

Niedermeyer, Dayli, Alpine. Das sind die bekanntesten drei der 2819 österreichischen Unternehmen, die im ersten Halbjahr dieses Jahres zahlungsunfähig wurden. Das sind zwar um knapp acht Prozent weniger Insolvenzen als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012, doch die geschätzten Passiva schnellten im Vergleich um 171 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten stieg um 80 Prozent auf 17.500.

Die Insolvenz mit dem drohenden oder tatsächlichen Verlust des Arbeitsplatzes „ist für alle Beteiligten ein traumatisches Ereignis“, sagt Raimund Steiner, Leiter der Wiener Niederlassung der Personalberatung Egon Zehnder. Für Führungskräfte stelle sich neben der ungewissen Zukunft in vielen Fällen eine weitere, belastende Frage: „Habe ich den Misserfolg zu verantworten?“

Klares, kantiges Profil entwickeln

Bevor sie einen neuen Job in Angriff nehmen, müssten Manager daher zwei Aufgaben für sich lösen, sagt Steiner: „Es geht darum, sich selbst neu zu definieren und aktiv mentale Vergangenheitsbewältigung zu betreiben.“

Für diese Prozesse brauche es „achtsame Reflexionspartner“, wie Steiner sie nennt. Menschen, mit denen die oft dramatischen Geschehnisse sachlich und offen aufgearbeitet werden können. Die Devise lautet: „Dinge offen ansprechen und nichts vertuschen.“

Schließlich gehe es für Manager darum, sich von der vertrauten Selbstdefinition über das ehemalige Unternehmen zu lösen. Ziel sei, zu einem „Das bin ich“-Denken zu kommen, in dem die Identifikation ausschließlich über das Selbst erfolgt.

Dieses neue Profil schaffe Berechenbarkeit für einen neuen Arbeitgeber: „Es soll klar und kantig sein, in ihm sollen Werthaltungen, Stärken und Schwächen dargelegt werden“, sagt Steiner.

Das könne jenen gelingen, die sich von der Marke, für die sie gearbeitet haben, gedanklich trennen, und ihre eigene Marke schaffen. Dabei kommen Manager um einige Fragen nicht herum: Welche Führungskulturen und -stile liegen mir? Welche Größe soll das Unternehmen haben, für das ich arbeiten will? Welche Aufgaben will ich künftig (nicht mehr) übernehmen? Denn wer sich lediglich auf seine breite Erfahrung berufe, mache es potenziellen Arbeitgebern schwer, die tatsächlichen Kompetenzen einzuschätzen, sagt Steiner.

Aus den Fehlern lernen

Entscheidender Faktor sei die individuelle Lernfähigkeit, ist Steiner überzeugt: „Wo habe ich selbst Schuld oder Mitschuld, dass es mit dem alten Unternehmen so weit gekommen ist und welche Schlüsse kann ich daraus ziehen?“ Wer das offen und zukunftsorientiert anspreche, wirke gegenüber einem neuen Arbeitgeber glaubwürdig. Wer die Schuld nur bei den anderen sehe, sich als Opfer darstelle oder gar mit dem Finger auf andere zeige, werde schlechtere Chancen haben. Aufgabe von Führungskräften sei es ja gerade, Verantwortung zu übernehmen.

„Nicht ein singuläres Ereignis ist in der Regel Ursache für unternehmerisches Scheitern“, sagt auch Günter Senoner. Er leitet die Personalentwicklung bei Österreichs größtem Bauunternehmen, Strabag. Er rät Managern aus insolventen Betrieben für Bewerbungsgespräche, „sich als Teil eines ,Systems‘ zu verstehen, das in der praktizierten Form unternehmerisch nicht ,überlebensfähig‘ war und in dem Fehler passiert sind – und daraus zu lernen und offen für neue Herausforderungen zu sein.“

Diese Einschätzung teilt auch Petra Mathi-Kogelnik, die als Geschäftsführerin der Drogeriemarktkette DM Österreich für das Ressort Mitarbeiter zuständig ist. Führungskräften aus insolventen Unternehmen stehe es gut an, Loyalität zum bisherigen Arbeitgeber zu zeigen, keine Interna auszubreiten und die Situation als Tatsache anzuerkennen. Wichtig sei, „nicht über die persönliche Situation zu lamentieren, sondern eine positive Grundhaltung zu zeigen“.

Märchen erzählen ist zwecklos

„Vertrauen ist in schwierigen Situationen das Um und Auf“, sagt Michael Pichler, Personalchef der Alpine Group rückblickend auf die Zeit vor der Insolvenz. Gerade dem mittleren Management Märchen zu erzählen sei zwecklos, könne es die Lage doch gut einschätzen.

Lange hätten die Alpine-Führungskräfte an die Zukunft des Unternehmens geglaubt, sagt Pichler. Sie hätten aber an Alternativen gedacht und sich auf dem Arbeitsmarkt umgesehen. Pichler hatte die Anspannung an Details bemerkt: „Der Wunsch nach Schriftlichkeit nahm zu. Kollegen wollten vertragliche Einzelheiten ausformuliert wissen und Unklarheiten wurden viel rigoroser angesprochen.“

Was bleibt für den Personaler jetzt zu tun? „Als Personalmanager ist man sicher nicht der Erste, der das Boot verlässt“, sagt Pichler. Er stellt gerade eine interne Jobbörse auf und kümmert sich mit seinem Team darum, dass Insolvenz-Entgelt-Fonds und Betriebsrat alle Informationen erhalten: „Ich will meine Arbeit abschließen und in den Spiegel schauen können.“

Auf einen Blick
Definieren. Für Manager aus insolventen Betrieben gilt es, für neue Arbeitgeber berechenbar zu sein: die eigenen Kompetenzen, Werte, Stärken und Schwächen für sich klar und kantig festzulegen.

Präzisieren. Welche Führungskulturen und -stile liegen mir? Welche Aufgaben will ich künftig (nicht mehr) übernehmen?

Analysieren. Das Vergangene klären: Trage ich Verantwortung für den Misserfolg? Und was kann ich aus den Fehlern lernen?


("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2013)


Samstag, 9. Mai 2009

Wird die Krise missbraucht?

In letzter Zeit höre ich immer öfter, dass Unternehmen ihren MitarbeiterInnen immer größere Lasten auferlegen. Kurzarbeit, Lohnverzicht, Stellenabbau usw......

Da ist der Kreativität der ManagerInnen keine Grenze gesetzt. Nur scheint es auch immer öfters der Fall zu sein, dass Unternehmen auch ohne Notwendigkeit die den MitarbeiterInnen Lasten aufbürden.

Hier wird die Krise missbraucht,
um alte Rechnungen zu begleichen,
um den persönlichen Profit auf Kosten der anderen zu erhöhen,
unpopuläre Maßnahmen werde unter dem Vorwand der Krise umgesetzt...

Aber warum hab ich den Eindruck, dass es immer nur zu Lasten der Schwächeren geht?
Warum tragen nicht jene die Verantwortung und müssen auch die Konsequenzen tragen, die in der Vergangenheit falsche und vielleicht sogar grob fahrlässige Entscheidungen getroffen haben?

Hier werden wieder Gräben aufgerissen, unter den wir noch sehr lange leiden werden.
Nun zeigt sich auch wieder, wie wenig Arbeiterrechte Wert sind.
Es zeigt sich wieder, wo die Macht liegt und wie ungleichmäßig sie verteilt ist.

Sonntag, 1. Februar 2009

Krise als Chance?

Das ist doch eine abgedroschene Phrase! Dieses ewig positive Denken bringt doch auch nichts!
Krise bleibt Krise und Schluss! Ein Problem ist ein Problem, alles andere ist Realitätsverweigerung!

Stimmt das wirklich alles? Was ist die Konsequenz, wenn man so negativ denkt und vor lauter Furcht in Starre verfällt? "Wird schon wieder werden!" Mit diesem Motto wird man nicht aus einer Krise wieder herauskommen.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoller die Krise zwar als Problem, als Schwierigkeit anzuerkennen, aber gleichzeitig muss die Suche nach einem bestmöglichen Ausweg begonnen werden. Dies gilt für Einzelpersonen genauso, wie für ganze Unternehmen. Wir dürfen nicht in Starre verfallen, wie das Kaninchen vor der Schlange. Sondern nun heißt es zu versuchen neue Wege zu gehen, Alternativen zu suchen, Neues zu probieren. Je länger man sich in Mitleid ergibt, umso länger wird es auch dauern bis man wieder in Schwung kommt. Das bedeutet natürlich nicht, dass man in aktionistische Panik verfallen soll. Es bedeutet nur, dass man die Situation akzeptieren muss und gezielt den Ausweg aus der Krise suchen muss.

Nicht "schau ma mal" oder "wird schon wieder werden", sondern "gehn wirs an" und "das packen wir" sind gefragt!

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