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Samstag, 9. Juli 2011

Wiener Ärzte mehr Burn-out-gefährdet als andere

Ärztekammer: Anteile um 15 Prozent höher als im österreichischen Durchschnitt laut Studie

Wien - Ärztinnen und Ärzte sind österreichweit Burn-out gefährdet: 52,4 Prozent befinden sich in den Belastungsphasen 1 bis 3 auf einer vierteiligen Skala. 10,7 Prozent sind konkret Burn-out gefährdet. In Wien ist die Situation noch dramatischer: 59,2 Prozent der Wiener Ärzte, also nahezu jeder sechste, befinden sich in Phase 1, 2 oder 3, davon 12,8 Prozent in Phase 3. Das bedeutet: akute Burn-out-Gefahr, hieß es bei einem Hintergrundgespräch der Kammer in Wien.

Der Ausgangspunkt: Von November 2010 bis Februar dieses Jahres wurde eine österreichweit repräsentative Studie der "Arge Burn-out" auf Initiative der Österreichischen Ärztekammer online durchgeführt. 6.249 Ärzte nahmen daran teil, in Wien waren es 1.231.

Stufenweise ins Burn-out

Die Burn-out-Gefährdung wurde nach einem Drei-Phasen-Modell der Arbeitsgemeinschaft beurteilt: Phase 1 ist das "tägliche Burn-out", das sich durch emotionale Erschöpfung und Unfähigkeit zur Entspannung charakterisieren lässt. Phase 2 kennzeichnet einen fortschreitenden Prozess mit Interessenabstumpfung, Kontrollverlust, teilweise semantische Beschwerden. Die dritte Phase entspricht dann dem Bild einer echten Depression.

In der Bundeshauptstadt waren die Angaben offenbar besonders dramatisch. "In Wien sind die Ärztinnen und Ärzte", so Thomas Szekeres, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, "besonders stark Burn-out gefährdet. Die Werte sind generell um etwa 15 Prozent höher als im österreichischen Durchschnitt. Das liegt sicherlich am Großstadtfaktor und an der Tatsache, dass in Wien mit einer guten technischen Ausstattung besonders komplexe Fälle in überdurchschnittlich hoher Anzahl behandelt werden. Zudem absolvieren die Wiener häufiger Arztbesuche als Patienten in den Bundesländern."

Szekeres: "Wir brauchen eine umsichtige Spitalsreform, die das Hauptaugenmerk auf die im Spital tätigen Menschen legt, anstatt auf die Ökonomie. Um das Burn-out-Risiko der Spitalsärzte nachhaltig zu senken, muss ein Bündel an strukturellen Reformen umgesetzt werden." Dazu zählten neben neuen und flexiblen Arbeitszeitmodellen zum Beispiel auch spitaleigene Betreuungsplätze für Kinder und nicht zuletzt der Ausbau des niedergelassenen Bereichs."

Details aus der Online-Erhebung in Wien:

  • Frauen sind offensichtlich robuster als Männer. In der Burn-out-Phase 3 finden sich elf Prozent der Frauen, aber 15,3 Prozent der männlichen Ärzte.
  • Die Gruppe der bis 37-Jährigen - vorwiegend Turnusärzte oder Fachärzte mit geringer Praxis - ist am Burn-out anfälligsten: 65,9 Prozent befinden sich in den Phase 1 bis 3.
  • Am absolut höchsten liegen aber die 48- bis 54-Jährigen in Phase 3.
  • Alleinstehende - die in der Regel auch länger arbeiten - sind stärker Burn-out gefährdet (63,8 Prozent in den Phasen 1 bis 3) als Verheiratete (56,4 Prozent) oder in Partnerschaft Lebende (59,3 Prozent).
  • In Standard-Krankenhäusern ist die Burn-out-Gefährdung höher (Phasen 1 bis 3: 68,8 Prozent) als in Schwerpunktkrankenhäusern (Phasen 1 bis 3: 56 Prozent). Das AKH liegt dabei im Wiener Durchschnitt: 60,3 Prozent der dort arbeitenden Ärzte befinden sich in Phase 1 bis 3.
  • Bei privaten Trägern ist die Burn-out-Rate höher als in öffentlichen Spitälern (Phasen 1 bis 3: 62,7 Prozent versus 61,1 Prozent).
  • Angestellte Ärzte sind zu 63,6 Prozent gefährdet, bei den niedergelassenen Ärzten sind es "nur" 51,9 Prozent. Bei den niedergelassenen Ärzten sind Ärzte mit Gebietskassenverträgen (Paragraf 2-Kassen) deutlich stärker Burn-out gefährdet als Wahlärzte: Das Verhältnis beträgt hier 57,5 Prozent zu 52,3 Prozent. (APA)

Mittwoch, 11. Mai 2011

Ein Fünftel der Richter leidet unter Burnout

Hohe Arbeitsbelastung, Respektlosigkeit und der Verlust von Autorität ist für Richter problematisch

Wien - Ein Fünftel der Richter ist Burnout-belastet, 7,5 Prozent sind der Höchstrisiko-Gruppe zuzurechnen. Das ergab eine Studie der ARGE Burnout und eines Teams der MedUni Graz im Auftrag der Richtervereinigung. Mit nur 57,5 Prozent völlig Unbelasteten gehören die Richter zu den Berufsgruppen mit hohem Druck, sind aber weniger Burnout-belastet als die Ärzte. Richter-Präsident Werner Zinkl plädierte bei der Präsentation der Ergebnisse für Bewusstseinsbildung und mehr Unterstützung - und trat gegen die Tendenz zur frühen Spezialisierung ein.

Denn ein überraschendes Ergebnis war, dass Richter, die in mehreren Sparten tätig sind - so gebe es beispielsweise an Bezirksgerichten Kollegen, die für Straf- und Zivilrecht zuständig sind - weniger Burnout-gefährdet sind. Hier hielte Zinkl ein Anreizsystem für öfteren Wechsel für sinnvoll. Für die ebenfalls besonders gefährdeten älteren Kollegen sollte man Alters-Teilzeitmodelle oder Sabaticals überlegen.

Verlust von Autorität macht Probleme

Probleme macht - vor allem älteren männlichen Richtern - ein "grundlegender gesellschaftlicher Änderungsprozess", nämlich der Verlust der Autorität. Auf eine offene Frage sei recht oft zunehmende Respektlosigkeit von Prozessparteien und der Druck der Medien als besonders belastend genannt worden, berichtete Peter Hofmann (MedUni Graz). Dies könnte, so Erich Hotter (ARGE Burnout), auch ein Grund dafür sein, dass in der Richterschaft - anders als in anderen Gruppen - die Männer stärker Burnout-belastet sind.

Erhoben wurde das Burnout-Risiko in einer Umfrage, an der 763 Richter teilnahmen, das sind mehr als 42 Prozent der Angesprochenen. 42 Prozent der Befragten wiesen Anzeichen eines Burnout auf - wovon aber die Hälfte "sehr leicht bis wenig" betroffen war. 21 Prozent sind "stark und sehr stark belastet", leiden also manifest unter Burnout.

Auch wenn recht oft auf hohe Arbeitsbelastung verwiesen wurde oder seitens der Befragten angegeben wurde, den Urlaub für die Erledigung von Akten zu nützen, nutzte Zinkl das Studienergebnis nicht, um die Forderung nach mehr Planstellen zu bekräftigen. Um mehr Stellen bemühe man sich ohnehin ständig, hier gehe es um die Gesundheit und Bewusstseinsbildung, meinte er.

Besseres Zeitmanagement gefragt

Bewusstsein schärfen will man etwa, indem der Fragebogen weiterhin zur Bewertung der Situation zur Verfügung steht. "Ohne Kosten" , so Zinkl, könnte das Arbeitsklima verbessert werden (viele empfanden Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz als belastend). Die Studienautoren regten Unterstützung z.B. durch Lifestyle- oder Selbstmanagement-Seminare an. Diese werden in der Justiz angeboten, außerdem werden Kosten für Einzelcoaching übernommen.

Ziel von Maßnahmen gegen Burnout sollte nach Meinung Hofmanns nämlich "nicht unbedingt sein, weniger zu arbeiten", sondern die Arbeit besser zu bewältigen. Betroffene in "Watte zu packen" und sie lange in Krankenstand zu schicken, hält er für falsch. Wichtig sei Unterstützung bei der Organisation des Lebens und bei der Stressbewältigung - in leichten Fällen könne z.B. schon "zwei Mal die Woche Yoga" helfen. Jedenfalls gelte es, über die Berufssituation nachzudenken - denn oft sei eine "Fehlpassung" (z.B. Aufgaben, für die man nicht geeignet ist) Auslöser für Burnout. (APA)